Phishing erkennen: Woran Sie gefälschte E-Mails wirklich merken

Rechtschreibfehler sind längst kein zuverlässiges Merkmal mehr. Sechs Prüfungen, die in der Praxis funktionieren — und was zu tun ist, wenn doch jemand geklickt hat.

Veröffentlicht am 8. September 2026 · Lesezeit rund 6 Minuten · von Silz-Networks, IT-Systemhaus in Eppertshausen

Zahlenschloss mit Schlüsseln auf einer Notebook-Tastatur

Warum die alten Ratschläge nicht mehr reichen

„Achten Sie auf Rechtschreibfehler“ war einmal ein brauchbarer Hinweis. Heute sind Phishing-Mails in fehlerfreiem Deutsch verfasst, verwenden das richtige Logo, den richtigen Ansprechpartner und beziehen sich auf einen Vorgang, den es tatsächlich gibt. Wer nur auf Sprache achtet, wird getäuscht.

Die Merkmale, die weiterhin funktionieren, liegen woanders.

Sechs Prüfungen, die tragen

  • Erzeugt die Mail Zeitdruck? „Innerhalb von 24 Stunden“, „andernfalls wird gesperrt“, „dringend vor der Besprechung“. Druck ist das häufigste und zuverlässigste Merkmal, weil er das Nachdenken abkürzen soll.
  • Passt die tatsächliche Absenderadresse? Nicht der angezeigte Name, sondern die Adresse dahinter. Achten Sie auf vertauschte Buchstaben und zusätzliche Wörter in der Domain.
  • Wohin führt der Link wirklich? Mit der Maus darüberfahren, ohne zu klicken — das Ziel erscheint unten im Fenster. Auf dem Mobiltelefon: lange gedrückt halten.
  • Wird eine Anmeldung verlangt? Seiten, die nach einem Klick aus der Mail nach Ihrem Passwort fragen, sind der Kern fast jedes Angriffs. Rufen Sie den Dienst stattdessen über Ihr Lesezeichen auf.
  • Passt der Anhang zum Vorgang? Rechnungen von Firmen ohne Geschäftsbeziehung, Bewerbungen auf nicht ausgeschriebene Stellen, Lieferavise ohne Bestellung — im Zweifel nicht öffnen.
  • Ist es inhaltlich plausibel? Fordert der Chef per Mail eine eilige Überweisung und ist gerade „in einer Besprechung nicht erreichbar“, ist genau das der Angriff. Ein kurzer Anruf auf der bekannten Nummer klärt es.

Die eine Maßnahme mit der größten Wirkung

Wenn Sie nur eine Sache umsetzen: Zwei-Faktor-Anmeldung für E-Mail und alle Zugänge von außen. Damit wird ein gestohlenes Passwort weitgehend wertlos, weil der zweite Faktor fehlt. Das ist in einem Nachmittag eingerichtet und verhindert die Mehrzahl der Fälle, die wir sehen.

Es hat doch jemand geklickt — was jetzt?

Wichtig vorweg: Niemanden dafür abkanzeln. Wer Angst vor der Reaktion hat, meldet den nächsten Vorfall nicht — und dann vergehen entscheidende Stunden. Melden muss sich lohnen, nicht wehtun.

  1. Wurde ein Passwort eingegeben: dieses Passwort sofort ändern, überall dort, wo es sonst noch verwendet wurde.
  2. Wurde ein Anhang geöffnet: das Gerät vom Netz trennen, aber nicht ausschalten.
  3. Uns oder Ihre IT-Betreuung informieren — je früher, desto besser.
  4. Bei einer ausgelösten Zahlung sofort die Bank verständigen; kurzfristig lassen sich Überweisungen manchmal noch stoppen.

Was Sie nicht tun sollten: die Mail löschen und hoffen. Sie ist die wichtigste Spur bei der Aufklärung.

Häufige Fragen

Schützt ein Spamfilter nicht ausreichend?

Ein guter E-Mail-Filter fängt den überwiegenden Teil ab — wir setzen dafür Hornetsecurity ein. Aber gezielte Angriffe auf einen bestimmten Betrieb sind darauf ausgelegt, Filter zu passieren. Deshalb bleibt die zweite Linie wichtig: Menschen, die eine Fälschung erkennen.

Lohnen sich Phishing-Testmails im eigenen Betrieb?

Sie können helfen, wenn sie als Übung verstanden werden und nicht als Falle. Entscheidend ist die Auswertung: Wer klickt, soll etwas lernen, nicht bloßgestellt werden. Sprechen Sie uns an, wenn Sie so etwas aufsetzen möchten.

Wie erkennen wir gefälschte Rechnungen mit geänderter Bankverbindung?

Bei jeder Änderung einer Bankverbindung gilt: telefonisch über die Ihnen bekannte Nummer rückfragen — nie über die Kontaktdaten aus der fraglichen Mail. Diese eine Regel verhindert den teuersten Einzelschaden, den kleine Betriebe erleben.

Fragen zu diesem Thema?

Wir beraten Betriebe aus Eppertshausen, Dieburg und der Region — die Erstberatung kostet nichts.